Seid barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist.

Gedanken zur Jahreslosung 2021 aus Lukas 6, 36
von Pfarrer*in Ulrike und Andreas Menzel

statt Gottesdienst am Sonntag, 10. Januar 2021

Ein Herz wirft seinen Schatten
auf den harten, braunen Erdboden. Wie eine leise, hintergründige Botschaft: Schau dich um und sieh! Es gibt mehr als das, was vor deinen Füßen liegt. Deine Welt besteht nicht nur aus den Herausforderungen, die dir dein Leben in dieser Zeit stellt. Nicht nur harte und an Farben arme Wirklichkeit – sondern der Schein eines freundlichen Lichtes wirft seinen barmherzigen Schatten auf deine Welt.

„Seid barmherzig …“
Die Überschrift über dieses Jahr. Deutliche Worte, die auf Zustimmung stoßen – in einem gewissen Rahmen. Ja klar, Barmherzigkeit ist wichtig, damit das Leben menschlich bleibt. Im Prinzip – aber gibt es da angesichts der harten, oft unbarmherzigen Wirklichkeit nicht eine Grenze, auch um mich selbst zu schützen?

„Seid barmherzig …“
Woher soll ich die Energie dazu nehmen, mich meinen Mitmenschen barmherzig zuzuwenden, wenn ich doch schon alle Kraft für die Bewältigung meiner eigenen Probleme brauche? 

„Seid barmherzig …“
Was meint Jesus eigentlich, wenn er zur Barmherzigkeit aufruft?
Eine Spurensuche am Anfang dieses Jahres.

aus Psalm 103

Das Lob der Barmherzigkeit Gottes     

Reich an Barmherzigkeit und Gnade ist GOTT,
unendlich geduldig und voller Güte.
Er liegt nicht alle Zeit mit uns im Streit.
Er ist immer wieder zur Versöhnung bereit.
Hoch wie der Himmel über der Erde –
so hoch steht seine Güte über denen,
die ihm mit Ehrfurcht begegnen.
Fern wie der Osten vom Westen –
so fern rückt er unsere Missetaten von uns weg.
Barmherzig wie ein Vater mit den Kindern –
so barmherzig handelt GOTT an denen,
die ihm mit Ehrfurcht begegnen.

Einladung zum Gebet

jesus
mit dem
was mich antreibt
und umtreibt
komme ich zu dir

ich will schnell sein
hilf mir
stehen zu bleiben
damit ich schneller
zu dir finde

ich will stark sein
halte mich
mit meiner schwäche
damit ich stärker aus deiner Kraft lebe

ich will perfekt sein
heile mich
von meinem perfektionismus
damit ich mich besser
an deiner barmherzigkeit freuen kann

ich will beliebt sein
befreie mich
von meiner sucht nach anerkennung
damit ich mich tiefer
in deiner liebe verwurzeln kann

amen

Gottfried Heinzmann

angedacht

„Seid barmherzig …“
wie passend, diese Aufforderung: eine motivierende Ermutigung für 2021, kommend aus einem Jahr, wo viele bis an die Grenze des Vorstellbaren und Machbaren gefordert waren.
Bereits 2018 wurde die aktuelle biblische Jahreslosung ausgewählt, zu einer Zeit als noch keiner an Corona denken konnte. Jetzt will sie uns durch dieses Jahr begleiten, in dem wir noch immer mit der Pandemie leben müssen.

Vielfältig sind die Erfahrungen aus den zurückliegenden Monaten: Umsichtiges und achtsames Handeln war dabei – aber auch rücksichtsloses Verhalten, wo manch einer vor allem nur an sich gedacht hat. Inzwischen sind immer mehr Menschen am Ende mit ihrer Geduld. Die Bereitschaft für einen mitfühlenden und empathischen Umgang ist vielfach erschöpft.

Gerade in diesen Zeiten, in denen das Leben nicht in den normalen Bahnen verläuft, wird sichtbar, welche Kultur wir in unserer Gesellschaft pflegen. Ist unser Umgang wirklich im ganzheitlichen Sinn partnerschaftlich und respektvoll – oder sind Freundlichkeit und Empathie nur oberflächliche Dekoration? Kratzt man an der Oberfläche, dann bricht womöglich etwas ganz anderes offen und unkontrolliert heraus: Jeder ist sich selbst der Nächste, und der andere wird nicht nach dem beurteilt, was er von mir braucht, sondern nach dem, was ich von ihm einfordere.

„Seid barmherzig …“
Jesus begründet diese Aufforderung mit einem verblüffenden Nachsatz: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“
Ihm geht es nicht um einen vordergründigen moralischen Appell, damit das Leben harmonisch und freundlich ist – sondern um den darunter liegenden Grund, warum es überhaupt gelingen kann, barmherzig zu sein.

Barmherziges Verhalten ist möglich, weil wir von einer Kultur der Barmherzigkeit umgeben ist. Barmherzigkeit ist die Grundlage, die unser Leben trägt. Jesus veranschaulicht das mit einer Geschichte, die der Evangelist Matthäus (Matthäus 18, 23-35) überliefert: Jemand hat unglücklich gewirtschaftet und Schulden in Millionenhöhe angehäuft. Niemals hätte er sie zurückzahlen können. Der Schuldner fällt auf die Knie und bittet: „Hab Geduld mit mir; ich tue alles, um meine Schulden bei dir zu bezahlen.“ Das Unvorstellbare geschieht: Sein Gläubiger ist barmherzig und erlässt ihm die Schuld. Ein Wunder.

Doch unmittelbar darauf trifft dieser Schuldner einen Kollegen, der ihm einen vergleichsweise geringen Betrag schuldet, sprichwörtliche Peanuts. Die Geschichte wiederholt sich: Der kleine Schuldner bittet und bettelt um Barmherzigkeit, versichert: „Ich will dir alles bezahlen.“ Doch der andere hat kein Erbarmen. Voller Hartherzigkeit lässt er ihn ins Gefängnis werfen, bis er die Schuld bezahlt hätte.

Jesus öffnet seinen Zuhörern die Augen:
Schaut genau hin, wer ihr seid und worauf euer Leben gründet. Nämlich darauf, dass es einen gnädigen Gott gibt, der euch seine Barmherzigkeit erweist. Egal was geschieht, voller Güte gibt er euch eine Chance, auch wenn so viel falsch gelaufen ist. Und richtet dann daran euer Handeln aus. Seid nicht hartherzig und rechnet euch eure Schulden bis auf den Cent gegenseitig vor – sondern seid barmherzig, weil ihr Barmherzigkeit in einem viel größeren Maßstab bereits erfahren habt.
Das Wunder der Barmherzigkeit.

Mögen wir dieses Wunder in unseren Herzen tragen – auf unserem Weg durch dieses Jahr, was auch immer geschieht!

Lied zur Jahreslosung

Das Wunder der Barmherzigkeit
Text und Musik: Gottfried Heinzmann, Hans-Joachim Eißler
(c) buch und musik ejw service-gmbh Stuttgart

Die Jahreslosung international

Jesus Christus spricht:
„Seid barmherzig,
wie auch euer Vater barmherzig ist“
(Lukas 6,36)

Jésus dit:
Soyez donc pleins de compassion,
tout comme votre Père [aussi] est plein de compassion.
(Luc 6,36)

Jesus Christ says:
Be merciful,
even as your Father is merciful.
(Luke 6,36).

Sean ustedes misericordiosos,
así como su Padre es misericordioso.
(Lucas 6,36)

Sejam compassivos
como o vosso Pai é compassivo.
(Lucas 6,36)

Gèsu dice:
Siate anche voi misericordiosi
come il Padre vostro.
(Luca 6,36)

Jezus powiedział:
Bądźcie miłosierni
tak jak wasz Ojciec w niebie.
(Lukasz 6,36)

Jesus Christus dicit:
Estote ergo misericordes
sicut et Pater vester misericors est (Lucas 6,36)

Γίνεσθε οἰκτίρμονες
καθὼς [καὶ] ὁ πατὴρ ὑμῶν οἰκτίρμων ἐστίν.

Matthäus 18, 23-34

DAS GLEICHNIS VOM HARTHERZIGEN VERWALTER

Jesus erzählt:
»Das Himmelreich gleicht einem König,
der mit den Verwaltern seiner Güter abrechnen wollte.
Gleich zu Beginn wurde einer zu ihm gebracht,
der ihm zehntausend Talente schuldete.
Er konnte ihm nichts davon zurückzahlen.
Da befahl der König:
›Er soll als Sklave verkauft werden,
ebenso seine Frau und seine Kinder.
Verkauft auch seinen ganzen Besitz -
so kann wenigstens ein Teil zurückbezahlt werden.‹

Der Mann fiel auf die Knie
und flehte den König an:
›Hab Geduld mit mir!
Ich werde dir alles zurückzahlen!‹
Da bekam der Herr Mitleid mit dem Mann.
Er gab ihn frei
und erließ ihm die Schulden.

Der Mann ging hinaus
und traf dort einen anderen Verwalter,
der schuldete ihm 100 Silberstücke.
Er packte ihn an der Kehle,
würgte ihn und sagte:
›Bezahl deine Schulden!‹

Der andere fiel vor ihm auf die Knie
und flehte ihn an:
›Hab Geduld mit mir!
Ich werde es dir zurückzahlen.‹
Aber das wollte der Mann nicht - im Gegenteil:
Er ging weg
und ließ seinen Mitverwalter ins Gefängnis werfen.
Dort sollte er bleiben,
bis seine Schulden bezahlt waren.

Die übrigen Verwalter bekamen mit,
was da vor sich ging, und waren empört.
Sie gingen zum König und berichteten ihm alles.
Da ließ der Herr seinen Verwalter zu sich kommen.
Er sagte zu ihm:
›Du böser Mensch!

Deine ganzen Schulden habe ich dir erlassen,
weil du mich darum gebeten hast.
Und du?
Warum hattest du kein Erbarmen mit dem anderen Verwalter –
so wie ich mit dir?‹
Voller Zorn übergab er ihn den Folterknechten -
bis seine Schulden bezahlt waren.

Lied zur Jahreslosung

Barmherzig sein heißt Zeit verschenken
zusammen lachen, neues denken
Wer geht und fragt nach, lädt die Einsamen ein
in Gemeinschaft zu sein?

Barmherzig sein heißt Schweres tragen,
zusammen weinen, Schweigen wagen.
Was lindert die Not? Jedes Wort ist zuviel,
ich umarme dich still.

Barmherzig sein heißt Brücken bauen,
verzeihen und sich neu vertrauen.
Wer geht nur den Schritt – das allein braucht schon Mut,
doch Versöhnung tut gut

Barmherzig sein heißt wachsam bleiben
und Menschenfeindlichkeit vertreiben.
Wer tritt dafür ein? Jeder der etwas sieht,
und Barmherzigkeit liebt.

Seid barmherzig, denn euer Vater im Himmel ist es auch.
Schaut euch um und seht, dass ihr einander braucht!
Seine Liebe macht die Gedanken und Herzen wieder weit.
Das ist das Wunder der Barmherzigkeit!

Text u Melodie: Gottfried Heinzmann, Hans-Joachim Eißler

Angebote unserer Gemeinde für Sie

Aufgrund des Lockdowns feiern wir mindestens bis zum 31. Januar 2021 keine Gottesdienste in der Lutherkirche, laden aber zur Offenen Kirche ein: sonntags von 10 bis 12 Uhr sowie zu den weiteren regelmäßigen Zeiten an den anderen Wochentagen.

Auf unserer Homepage gibt es Impulse zum Lesen und Hören,
auch zum Mitnehmen in der Offenen Lutherkirche. 

Auch wenn wir nicht gemeinsam in der Lutherkirche Gottesdienst feiern können, sind wir so miteinander verbunden - und wir teilen das, was uns miteinander in dieser Zeit bewegt.

Bleiben Sie behütet,
wir wünschen Ihnen ein gesegnetes, hoffnungsvolles Jahr 2021!